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Funding Rate bei Krypto erklärt: Wer zahlt wann wie viel?

2. November 2026
Funding Rate bei Krypto erklärt: Wer zahlt wann wie viel?

Die Funding Rate ist ein Prozentsatz, der bei Krypto-Perpetual-Futures regelmäßige Zahlungen zwischen Long- und Short-Positionen festlegt. Ist sie positiv, zahlen Longs an Shorts. Ist sie negativ, zahlen Shorts an Longs. Der konkrete Betrag, die Funding Fee, ergibt sich aus Positionswert mal Funding Rate. Der Zweck: Der Preis des unbefristeten Kontrakts soll nahe am Indexpreis des Basiswerts bleiben. Für dich als Trader heißt das: Hältst du eine Position über mehrere Abrechnungszeitpunkte, kommt zu Spread und Ordergebühr ein dritter Posten hinzu. Je nach Richtung ist er Kosten oder Ertrag.

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Kurz gesagt

  • Zweck: Die Funding Rate hält den Perpetual-Preis nahe am Spot- bzw. Indexpreis. Sie ist ein Ausgleich zwischen Tradern, kein Entgelt der Börse.
  • Richtung: Positive Rate, Longs zahlen an Shorts. Negative Rate, Shorts zahlen an Longs.
  • Formel: Funding Fee = Positionswert × Funding Rate. Gerechnet wird auf die volle Position mit Hebel, nicht auf deine Margin.
  • Takt: Abgerechnet wird zu festen Zeiten, häufig alle acht Stunden, bei manchen Kontrakten alle vier oder zwei Stunden.
  • Signal: Eine hohe Rate zeigt, dass eine Seite drängt. Ein sicheres Zeichen für eine Trendwende ist sie allein nicht.

Inhaltsverzeichnis

Was die Funding Rate ist

Perpetual Futures, kurz Perps, sind Terminkontrakte ohne Verfallstermin. Ein klassischer Future läuft zu einem festen Datum aus. Spätestens dann treffen sich Futurespreis und Kassapreis. Diesen Anker haben Perps nicht. Ohne Gegengewicht könnte ihr Kurs sich dauerhaft vom Spotmarkt entfernen, etwa wenn sehr viele Trader gleichzeitig mit Hebel long gehen.

Die Funding Rate ist dieses Gegengewicht. Sie steuert regelmäßige Zahlungen zwischen Long- und Short-Positionen und richtet den Kontrakt so am Indexpreis aus. Der Indexpreis bildet den Spotpreis des Basiswerts ab, häufig gebildet aus den Kursen mehrerer Handelsplätze.

Zwei Begriffe solltest du sauber trennen:

  • Funding Rate: der Satz in Prozent, zum Beispiel +0,01 % pro Abrechnungsperiode.
  • Funding Fee: der Betrag in Währung, den du bei einer Abrechnung zahlst oder erhältst, zum Beispiel 3 USDT.

Die Rate ist für alle Trader eines Kontrakts gleich. Die Fee hängt von deiner Positionsgröße ab. Zwei Trader im selben Markt zahlen also denselben Prozentsatz, aber sehr unterschiedliche Beträge.

Warum Perps ohne Funding nicht funktionieren würden

Der Mechanismus arbeitet mit Anreizen. Liegt der Perp-Preis über dem Index, wird die Rate positiv. Long zu halten kostet dann Geld, short zu halten bringt Geld. Das bremst neue Longs und macht Shorts attraktiver. Mehr Verkaufsdruck im Perp schiebt den Preis Richtung Spot zurück.

Unter dem Index läuft es spiegelverkehrt. Shorts zahlen, Longs kassieren, und der Preis wird nach oben gezogen. Hohe Funding-Raten können Trader zur Gegenposition bewegen und so den Perp-Preis näher an den Spot-Kurs bringen.

Wichtig für dein Verständnis der Kosten: Das Geld wandert von einer Seite des Marktes zur anderen. Ein großer Derivate-Handelsplatz beschreibt Funding ausdrücklich als Nullsummenspiel zwischen den Inhabern der Kontrakte, für das er selbst keine Gebühr erhebt. Was die Longs zahlen, erhalten die Shorts, und umgekehrt.

Wer an wen zahlt: positive und negative Funding Rate

Die Regel ist einfach und gilt bei allen gängigen Anbietern gleich: Bei positiver Rate zahlen Longs an Shorts, bei negativer Rate Shorts an Longs. Die Börse wickelt die Zahlung nur ab.

Lage im MarktFunding RateWer zahltWer erhältTypischer Hintergrund
Perp-Preis über dem IndexpositivLongsShortsstarke Nachfrage nach Long-Positionen
Perp-Preis unter dem IndexnegativShortsLongsstarke Nachfrage nach Short-Positionen
Perp-Preis nahe am Indexkleinkaum Ausgleichkaum AusgleichMarkt ist ausgeglichen

Merke dir die Zahlungsrichtung über die Frage: Welche Seite ist gerade überfüllt? Diese Seite zahlt. Wer gegen die Menge positioniert ist, bekommt Geld.

So wird die Funding Rate berechnet

Die genaue Formel legt jeder Anbieter in seinen Kontraktspezifikationen fest. Das Grundmuster ist aber fast überall gleich. Die Rate setzt sich meist aus einem Zinssatz und einem Prämien-Index zusammen, Clamp-Funktionen setzen Ober- und Untergrenzen.

1. Die Zinskomponente. Sie spiegelt den Zinsunterschied zwischen den beiden Währungen eines Paares wider, etwa BTC und USDT. Sie ist meist klein und bleibt lange stabil.

2. Der Prämien-Index (Premium Index). Er misst, wie weit der Perp-Preis vom Indexpreis entfernt liegt. Bei einer Börse basiert er auf Impact-Bid- und Impact-Ask-Preisen im Verhältnis zum Indexpreis. Vereinfacht gesagt: Es zählt nicht der letzte Kurs, sondern der Preis, zu dem sich eine Order relevanter Größe tatsächlich ausführen ließe. So kann eine einzelne kleine Order die Rate kaum verschieben.

3. Die Begrenzung (Clamp). Eine Clamp-Funktion hält Werte innerhalb eines Korridors. Liegt der Prämien-Index nah am Zinssatz, landet die Rate oft genau auf dem Zinssatz. Erst bei größeren Abweichungen schlägt die Prämie voll durch. Eine Obergrenze verhindert zudem extreme Ausschläge pro Periode.

Ein häufiges Schema sieht so aus:

Funding Rate = Prämien-Index + Clamp(Zinssatz − Prämien-Index, untere Grenze, obere Grenze)

Die Funding Fee folgt daraus in einem zweiten Schritt. Der Positionswert ist dabei Markpreis × Positionsgröße × Kontrakt-Multiplikator, multipliziert mit der Funding Rate. Der Markpreis ist ein fairer Referenzpreis, nicht dein Einstiegskurs. Steigt der Kurs, wächst auch dein Positionswert und damit die Fee.

Wann die Funding Fee fällig wird

Funding fließt nicht laufend, sondern zu festen Abrechnungszeitpunkten. Üblicherweise zählt, ob du genau zu diesem Zeitpunkt eine Position hältst. Schließt du kurz davor, fällt für diese Periode in der Regel nichts an.

Die Intervalle unterscheiden sich:

Für deine Rechnung ist das entscheidend. Dieselbe Rate pro Periode kostet bei vier Stunden Takt doppelt so viel pro Tag wie bei acht Stunden. Prüfe deshalb vor jedem Trade zwei Dinge: die aktuelle Rate und das Intervall des konkreten Kontrakts. Beides steht in der Kontraktübersicht, oft mit einem Countdown bis zur nächsten Abrechnung.

Beispielrechnung: Deine Funding Fee in fünf Schritten

Angenommen, du eröffnest eine Long-Position über 0,5 BTC. Der Markpreis liegt bei 60.000 USDT, die Funding Rate bei +0,01 %, abgerechnet wird alle acht Stunden. Du nutzt fünffachen Hebel.

  1. Positionswert ermitteln: 0,5 × 60.000 USDT = 30.000 USDT.
  2. Fee pro Periode: 30.000 USDT × 0,01 % = 3 USDT. Da die Rate positiv ist und du long bist, zahlst du.
  3. Kosten pro Tag: drei Abrechnungen × 3 USDT = 9 USDT.
  4. Bezug zur Margin: Bei fünffachem Hebel hinterlegst du 6.000 USDT. Die 9 USDT pro Tag sind 0,15 % deiner Margin.
  5. Hochrechnen: Über 30 Tage wären es 270 USDT, also 4,5 % deiner Margin. Auf ein Jahr gerechnet ergeben 0,01 % × 3 × 365 rund 10,95 % des Positionswerts.

So verändert sich das Bild, wenn die Rate auf +0,05 % pro Periode steigt:

HaltedauerAbrechnungen (8 h)Kosten bei 0,01 %Kosten bei 0,05 %
1 Tag39 USDT45 USDT
7 Tage2163 USDT315 USDT
30 Tage90270 USDT1.350 USDT

Bei 0,05 % frisst Funding in 30 Tagen 22,5 % deiner Margin, ohne dass sich der Kurs bewegt. Die Short-Seite erhält in diesem Beispiel dieselben Beträge. Die Tabelle rechnet mit konstanter Rate. In der Praxis ändert sie sich jede Periode, und der Positionswert schwankt mit dem Markpreis.

Ein Detail für den Ernstfall: Wird eine Position liquidiert oder reicht die Margin im isolierten Modus nicht aus, erhält der Empfänger möglicherweise nicht die volle Funding Fee.

Beispielrechnung: Deine Funding Fee in fünf Schritten

Was die Funding Rate über die Marktstimmung verrät

Weil die Rate aus dem Abstand zwischen Perp und Index entsteht, zeigt sie, welche Seite im Derivatemarkt drängt. Starke Nachfrage nach Long-Positionen kann den Futures-Preis über den Spotpreis heben und die Rate positiv machen. Bei starker Short-Nachfrage dreht sie ins Negative.

So lesen viele Trader die Werte:

  • Leicht positiv: Normalzustand in vielen Phasen. Longs sind bereit, eine kleine Prämie zu zahlen.
  • Deutlich positiv: Viele Longs mit Hebel. Fällt der Kurs, können Zwangsschließungen den Rückgang beschleunigen.
  • Negativ: Die Short-Seite dominiert. Steigt der Kurs, müssen Shorts eindecken, was den Anstieg verstärken kann.
  • Sprunghafte Wechsel: Die Positionierung kippt. Oft ein Zeichen für hohe Volatilität.

Die Grenzen dieser Lesart kennst du besser vorher. Die Rate misst nur den Perp-Markt, nicht die Käufe am Spotmarkt. Sie unterscheidet sich je nach Handelsplatz und Kontrakt. Sie reagiert auf den Kurs, statt ihn vorherzusagen. Und extreme Werte können sich über Tage halten, während der Trend weiterläuft. Wer allein wegen einer hohen Rate gegen den Trend geht, zahlt im Zweifel Lehrgeld.

Funding Rate, Kurs und Open Interest zusammen lesen

Aussagekräftiger wird die Rate im Zusammenspiel mit zwei weiteren Kennzahlen:

  • Open Interest: der Gesamtwert aller offenen Kontrakte. Steigt er, kommt neues Geld mit Hebel in den Markt. Fällt er, werden Positionen geschlossen.
  • Long-Short-Verhältnis: das Verhältnis von Long- zu Short-Positionen. Je nach Anbieter zählt es Konten oder Positionsvolumen. Das kann zu sehr unterschiedlichen Werten führen.

Die folgende Übersicht zeigt gängige Kombinationen. Sie ist eine Lesehilfe, keine feste Regel.

KursOpen InterestFunding RateMögliche Lesart
steigtsteigtsteigt deutlichNeue Longs mit Hebel treiben den Kurs. Der Markt wird anfälliger für Long-Liquidationen.
steigtfälltsinkt oder neutralShorts schließen ihre Positionen. Der Anstieg wird weniger von neuem Hebel getragen.
fälltsteigtwird negativNeue Shorts kommen hinzu. Ein schneller Gegenanstieg kann Shorts zum Eindecken zwingen.
fälltfälltnormalisiert sichPositionen werden abgebaut. Der Hebel im Markt sinkt.

Prüfe die Werte möglichst über mehrere Handelsplätze und mehrere Abrechnungsperioden. Ein einzelner Ausreißer an einem Ort sagt wenig. Ein Muster über Tage und Plätze hinweg sagt mehr.

Tradinggebühren und Funding Fees: der Unterschied

Beim Kryptohandel fallen mehrere Kostenarten an. Sie unterscheiden sich darin, wer das Geld bekommt und wann es fällig wird.

KostenartWann fälligWer erhält das GeldHängt ab von
Tradinggebühr (Maker/Taker)beim Eröffnen und Schließender HandelsplatzOrdervolumen und Ordertyp
Spreadbei jeder Ausführungindirekt die GegenseiteLiquidität im Orderbuch
Funding Feezu jedem Abrechnungszeitpunktdie andere MarktseitePositionswert, Rate und Haltedauer

Der zentrale Unterschied: Tradinggebühren zahlst du einmal pro Order, egal wie lange du hältst. Funding fällt nicht an die Börse, sondern geht direkt zwischen den Tradern hin und her. Außerdem summieren sich die Funding-Kosten mit der Haltedauer und belasten die Margin. Für Scalper spielt Funding oft kaum eine Rolle. Für Swing Trader, die Perps über Tage halten, kann es zum größten Kostenblock werden. Worauf es bei Positionen über Nacht sonst ankommt, zeigen wir im Beitrag zu Swing Trading bei Prop Firms.

Funding im Risikomanagement: fünf Regeln

  1. Rate und Intervall vor dem Einstieg prüfen. Ein Blick auf die Kontraktübersicht genügt. Notiere beides im Trading-Journal.
  2. Immer auf den Positionswert rechnen. Hebel vergrößert die Fee im Verhältnis zu deiner Margin. Bei zehnfachem Hebel wiegt dieselbe Rate doppelt so schwer wie bei fünffachem.
  3. Puffer in der Margin lassen. Funding wird von deiner Margin abgebucht. Eine knapp kalkulierte Position rückt so mit jeder Abrechnung näher an die Liquidation.
  4. Funding in dein Kursziel einrechnen. Planst du einen Trade über eine Woche, gehört die erwartete Funding-Summe in deine Chance-Risiko-Rechnung.
  5. Nie nur auf Funding traden. Eine negative Rate macht einen schwachen Long nicht gut. Sie ist ein Kostenfaktor und ein Stimmungsbild, kein Einstiegssignal.

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Häufige Fragen

Was ist eine Funding Fee?

Die Funding Fee ist der Betrag, den du bei einem Perpetual-Kontrakt zu jedem Abrechnungszeitpunkt zahlst oder erhältst. Sie ergibt sich aus deinem Positionswert mal der aktuellen Funding Rate. Bei 10.000 USDT Positionswert und 0,01 % sind das 1 USDT pro Periode.

Bekommt die Börse die Funding Fee?

Nein. Funding wird zwischen Long- und Short-Tradern ausgetauscht, der Handelsplatz wickelt es nur ab. Er verdient an den Tradinggebühren, nicht am Funding.

Fällt Funding auch beim Spot-Kauf an?

Nein. Kaufst du Bitcoin direkt am Spotmarkt, besitzt du den Coin selbst und es gibt keinen Kontrakt, der an einen Index gekoppelt werden muss. Funding betrifft nur Perpetual Futures.

Was heißt Funding im Trading?

Im Kryptohandel meint Funding meist die periodischen Zahlungen bei Perps. Im Prop Trading steht Funding für ein Konto, das eine Firma bereitstellt, nachdem du eine Evaluation bestanden hast. Wie das funktioniert, erklären wir im Beitrag zu Futures Prop Firms.

Ist eine negative Funding Rate gut für Longs?

Für die laufenden Kosten ja: Als Long erhältst du dann Zahlungen. Über die Kursrichtung sagt das aber nichts. Die Rate kann schnell drehen, und ein fallender Kurs kostet dich mehr, als Funding einbringt.

Quellen

Empfehlungen

Risk disclosure: Trading involves substantial risk of loss and is not suitable for every investor. Profirms runs simulated evaluation and funded trading programs, is not a broker-dealer or futures commission merchant and does not provide investment advice. Hypothetical or simulated performance results have inherent limitations, and no representation is made that any account will achieve profits or losses similar to those shown. Past performance is not indicative of future results.